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"Wie ein neues Leben!" – Glücksfall Nierentransplantation

Im Alter von 6 Jahren wurde Anna H. aus Rhede chronisch nierenkrank. Ihr Leben war geprägt von Einschränkungen. Sie litt unter Bluthochdruck, Wasseransammlungen im Körper, Kopfschmerzen, Übelkeit und war auf die regelmäßige Einnahme verschiedener Medikamente angewiesen. Mit 22 Jahren musste sie dreimal wöchentlich an die Dialyse. Weitere zwei Jahre dauerte es, bis endlich eine Spenderniere zur Verfügung stand.

Mit der Spenderniere und der dadurch möglichen Nierentransplantation, die am 28.11.1983 an der Uniklinik Münster durchgeführt wurde, begann – so die Patientin – „ein neues Leben“. Ein Leben ohne wöchentliche Dialysen und ohne die Vielzahl körperlicher Einschränkungen, mit denen sie zu leben hatte lernen müssen. Die Spenderniere schenkte der Patientin einen unschätzbaren Zugewinn an Lebensqualität. Am 28.11.2023 feiert das Zentrum für Nephrologie gemeinsam mit Anna H. den vierzigsten Jahrestag der erfolgreichen Transplantation.

Organspende: „Zustimmungsregelung“

Heute warten Patienten erheblich länger auf eine Organspende als Anna H. Anfang der 1980er-Jahre. Wer nierenkrank ist und eine Spenderniere benötigt, hat hierzulande eine Wartezeit von im Durchschnitt etwa 8,4 Umgebung haben, beschäftigen sie sich häufig nicht mit diesem Thema und fertigen keine entsprechende Erklärung an – auch wenn sie prinzipiell im Falle ihres Todes zu einer Organspende bereit wären.

Organspende: „Doppelte Widerspruchslösung“?

Ein Ausweg aus dieser Misere könnte die „Doppelte Widerspruchslösung“ sein, die in vielen Nachbarländern Deutschlands bereits gilt. Diese Regelung geht davon aus, dass alle Menschen zunächst bereit sind, ihre Organe zu spenden – es sei denn, sie widersprechen dem ausdrücklich. Über diese Lösung wurde im Bundestag schon 

des Öfteren kontrovers diskutiert. Zuletzt scheiterte eine vom damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn initiierte Reform im Januar 2020. Das Parlament blieb stattdessen bei der alten Regelung. Über zusätzliche Informations- und Aufklärungsangebote sollen Bürger stattdessen dazu bewegt werden, sich aktiv für eine Spende zu entscheiden und dies in einem Organspendeausweis oder einer

Patientenverfügung festzuhalten.

Ein Blick in die Nachbarländer

Die Transplantationszahlen in Deutschland waren in den Jahren 2021 und 2022 weiter rückläufig. Deutschlands europäische Nachbarländer sind da überwiegend weiter. Von den 27 EU-Ländern haben 20 inzwischen die Widerspruchslösung eingeführt. Zuletzt haben sich in 2022 die Schweizer per Volksabstimmung dafür ausgesprochen. Die Wartezeit auf ein Spenderorgan in diesen Ländern liegt aktuell im Schnitt bei zwei bis drei Jahren – in Deutschland bei acht bis zehn! Für betroffene Patient*innen, darunter Kinder wie einst Anna H. aus Rhede, kann eine kürzere Wartezeit den lebensrettenden Unterschied ausmachen.


Ein Gedankenexperiment

Zum Nachdenken anregen, soll diese Frage: Wenn ein Mensch kein Organspender sein will, möchte er dann im Falle einer akuten schweren Erkrankung auch kein lebensrettendes Organ erhalten?

Unsere Expertin

Dr. med. Daniela Rammrath

Fachärztin für Nephrologie & Hypertensiologie

Ärztliche Leitung MVZ Nephrocare Münster

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